Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts machten eine Reihe hervorragender Jahrgänge, Frieden und Freihandel den deutschen Wein zu einem der begehrtesten in Europa und Amerika. Viele der Händler, die ihn ins Ausland brachten, waren jüdisch: die Söhne von Hermann Sichel in Mainz, Leo Levitta aus Rüdesheim, Julius Langenbach in Worms, Sigmund Loeb in Trier.
Ihre Stärke lag im Handel, nicht im Landbesitz: lange kaufmännische Erfahrung, familiäre Netzwerke über Grenzen hinweg und Kunden im Adel und in den Auswanderergemeinden, die deutschen Wein wollten. Die Mainzer Firma H. Sichel Söhne brachte 1923 Blue Nun heraus, eine Liebfraumilch, die zu einer der bekanntesten deutschen Weinmarken der Welt wurde.
Ihre Stellung war lange vor 1933 umkämpft: Historiker führen Kampagnen gegen jüdische Weinhändler in Mitteleuropa bis in die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Nach 1933 schnitten Boykotte die Firmen von ihren Kunden ab. Ein Familienunternehmen in Landau in der Pfalz, Hermann Levy, das Liebfraumilch und Riesling im Großhandel vertrieb, verlor seine Kunden und wurde nach dem Pogrom vom November 1938 mit hohem Verlust verkauft.
Die Netzwerke, die diese Händler aufgebaut hatten, wurden mit ihnen zerstört. Wer heute mit deutschem Wein arbeitet, begegnet dieser Geschichte hinter den Namen auf alten Etiketten: Viele Exportwege für Rhein- und Moselwein haben diese Firmen eröffnet.
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